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Projekterfahrungen in Schönebeck - Ein Interview mit Marco Hagemeier (Hauptamtlicher Trainer beim SVP – Schönebeck)

Als vor einigen Jahren die Drittligamannschaft des SV Pädagogik Schönebeck in ihre Einzelteile zerfiel und Jahr um Jahr immer mehr Spielerinnen den Verein in Richtung Konkurrenz verließen, hätte niemand gedacht, dass in Schönebeck nochmal etwas entstehen könnte. Doch seit nunmehr fast zwei Jahren zeigen sie, dass es auch anders geht. Was hat sie dazu bewogen diesen Verein wieder aufzupeppen und die „Kohlen wieder aus dem Feuer zu holen“?

M. Hagemeier: Ich denke ein Stückweit war es sicherlich die Verbundenheit zum Verein in den Jahren als Co-Trainer der ersten Damenmannschaft, aber auch berufliche Gründe. Ich hatte bereits vor zwei Jahren wieder mehr in der Gegend zu tun. Ein Projekt des Volleyball-Verbandes Sachsen-Anhalt ließ mich in Schönebeck Station halten. Dabei kam mir auch die Idee wieder mehr in der Region zusätzlich zu unternehmen.

Worum ging es in dem Projekt und wie passt es zum SV Pädagogik Schönebeck e.V.?

M.Hagemeier: Ich habe 2015 ein Projekt eines Kollegen übernommen, der im Projektjahr zuvor bereits in Schönebeck tätig war und mit einer AG an der Grundschule Karl Liebknecht bereits den ersten Grundstein für eine Weiterentwicklung des Standortes in Sachen Jugendförderung gelegt hatte. Daran knüpfte ich letztlich an. In der Grundkonzeption des Projektes geht es um eine Kombination von Sport und Bildungsangebot im Rahmen einer Schul-AG für Schülerinnen und Schüler an Grundschulen. Dabei wird meist eine Doppelstunde pro Woche angeboten. Hinzu können aber auch weitere AG’s kommen, die aus diesem Projekt entstehen, wenn beispielsweise viele Kinder ein Interesse daran haben, aber nur eine Klasse unterrichtet werden kann.

Wie genau hilft ihnen dieses Projekt beim SV Pädagogik?

M.Hagemeier: Damit die ersten Grundtechniken des Volleyballspielens in Form des oberen Zuspiels, des unteren Zuspiels und des Aufschlages einfacher vermittelt werden und die Kinder sich mit den Spielgerät Ball vertraut machen können, müssen wir mit Wurf- und Fangübungen anfangen. In Fortführung der Übungen erfolgen diese später auch aus der Bewegung heraus, wodurch sich die klassischen Lauf- und Positionierungsmuster im Sportspiel Volleyball wiederspiegeln. Ziel ist es außerdem die Augen-Hand-Koordination zu verbessern und die Flugeigenschaften des Balles kennenzulernen, sowie die Antizipationsfähigkeit von Flugkurven des Balles anzudeuten. Viele Spielübungen und Wettkämpfe enthalten neben der Ballschule und den Volleyballtechniken ein motorisches Kompetenztraining. Ziel ist es, den Schülern ein besseres Körpergefühl zu geben, wobei es sich um wichtige Voraussetzungen für fortführende Techniken wie dem Angriff und dem Block handelt. In Fortführung wird im zweiten Halbjahr dann mit der Spielform 2 mit 2 und 2 gegen 2 angefangen. Bei diesen Spielen werden hauptsächlich die Grundtechniken oberes Zuspiel und Aufschlag angewandt. Das sind nur ein paar Beispiele, die zeigen sollen, wie wichtig eine frühe Grundausbildung beim Erlernen der späteren Sportart sein kann. Diese Art Grundausbildung versuchen wir im Projekt umzusetzen. Hier erreichen die Kinder schnelle Fortschritte, was sich in einer gesteigerten Ballkontrolle ausdrückt. Später müssen die Kinder die unterschiedlichen Übungen auch „Volley“ durchführen, damit sie neue Bewegungserfahrungen sammeln können und sich der Zielsportart weiter genähert wird. Zur Stabilisierung der erworbenen Techniken spielen die Kinder dann viele Kleinfeldspiele und Wettkämpfe (Ball über Schnur u. A.) unter Anwendung volleyballspezifischer Spielregeln und Techniken. Schlussendlich versuchen wir die Kinder zu uns in den Verein zu holen, um die gute Grundausbildung zu vertiefen. Man sieht also eine Menge Potenzial, wie sich das Projekt mit dem Training im Verein ergänzen lässt. Ich erhoffe mir, dass wir so in Zukunft junge Talente und Volleyballbegeisterte aus der Region zu uns locken können.

Was sind ihre nächsten Schritte in Bezug auf das Projekt Schönebeck?

M.Hagemeier: Ich möchte mit meinem Engagement helfen feste Strukturen in Schönebeck über die nächsten Jahre zu etablieren. Dazu versuche ich bereits mit Partnern aus der Region und gemeinnützigen Organisationen wie z. B. dem VFNSA e.V., der sich für Projekte zur Förderung von Kindern und Jugendlichen im Volleyball einsetzt, eine Professionalisierung im Sinne der Hauptamtlichkeit zu ermöglichen. Daraus resultiert schließlich eine konsequentere Jugendarbeit, die bereits zum jetzigen Zeitpunkt Früchte für die höheren Mannschaften trägt. Ich möchte mich darüber hinaus aber auch weiterhin für den Bereich Beachtraining in Sachsen-Anhalt stark machen, da ich um die positiven Effekte eines kombinierten Trainings aus eigener wissenschaftlicher Arbeit und Erfahrung weiß. In Aschersleben beispielsweise habe ich in den vergangenen Jahren bereits mit Kindern und Jugendlichen zum Thema Beach zusammengearbeitet und versuche dies zu bewerben. Aber auch das Beachcenter in Barby stellt für die kommenden Jahre eine Möglichkeit für das Training im Sand dar. Dazu biete ich bereits jetzt Kurse für Interessierte an um für das Thema aufmerksam zu machen.


Projekterfahrungen in der Grundschule "Karl Liebknecht“ in Schönebeck
Projektverantwortlicher: Felix Süssig
Projektzeitraum: September 2014 bis Juli 2015

Als im September 2014 für viele Kinder die Schule wieder begann, startete auch in einigen Regionen des Landes das Projekt: „Volley-Kids – gesund und clever“ in sein zweites Projektjahr. Mit dabei war diesmal auch die Grundschule Karl Liebknecht in Schönebeck, die für die insgesamt 14 angemeldeten Kinder das Projekt in eine Arbeitsgemeinschaft (AG) an der Schule integrierte.
guc SBKZiel des Ganzen war eine über die pädagogische Betreuung und Sozialarbeit - die bereits durch u.a. Gesundheitstage, Brandschutztage und Verkehrstage, aber auch viele andere Arbeitsgemeinschaften an der Schule geleistet wird - zusätzliche Unterstützung bei der Arbeit mit Gesellschaftsproblemen, die von sozial schwachem Status, pädagogischem Sonderbedarf über Migrationshintergrund oder unentschuldigtem Fehlen vom Unterricht reichen.
Basierend auf der Situationsanalyse und den Wünschen der Schule standen für die Kinder dieses Projektes neben den üblichen Fächern Schwerpunkte im Rahmen des Bildungsangebotes auf dem Plan, die auf den Themenfeldern „Gesundheit und Ernährung“, „Medienkompetenz und Computerwissen“, „Umgang mit Geld“, „Mathematik, Naturwissenschaften und Umwelt“, „Fairness, Toleranz und Respekt“, „Inklusion“ und „Kinderschutz“ beruhten und den bereits vorhandenen Handlungsrahmen erweiterten.
Darauf aufbauend setzte sich das Bildungsangebot an der Grundschule „Karl Liebknecht“ aus den fünf Bildungsmodulen: „Ich bin stark - wir sind stark“, „Leben, Energie und Umwelt“, „Wir rechnen mit unserem Geld“, „Ohne Handy, Computer, Fernseher geht es nicht – oder doch?“ und „Unsere gesunde Schule“ zusammen. Ein weiterer Baustein war das vielfältige Bewegungsangebot aus der Sportart Volleyball. Mit dem vorrangigen Ziel den Kindern die Freude an der Bewegung zu vermitteln, wurde in Form von kleinen Spielen mit und ohne Ball im Sportunterricht auf die Zielsportart Volleyball hingeführt. Deshalb waren die Sportstunden vor allem von einem spielerischen Charakter geprägt, der gleichzeitig die optimale Ausbildung vielfältiger sportmotorischer Fertigkeiten und Techniken bewirkt und den Bewegungsschatz der Kinder erweitert. Dies ist für die spätere sportliche Weiterentwicklung von großer Bedeutung. Neben der Förderung des natürlichen Bewegungsdrangs in dieser Altersspanne standen aber auch Übungen zur Steigerung der Lernmotivation (Erfolgserlebnisse beim Spiel), zur Überwindung von Egoismus (Förderung von Kooperation, Rücksicht, Kommunikationsfähigkeit und Gemeinschaftsgefühl), zur Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit, regelgerechtes Handeln (Toleranz, Nachsicht und Unterstützung in Anwendung der auferlegten Regeln), fairem Miteinander und einer ganzheitlichen Ausbildung im Fokus. Höhepunkt des Projektes war ein gemeinsames Abschlussturnier mit der AG Zweifelderball in einer Turnierform, die als Kaiserturnier bekannt ist. Hier konnten die Kinder ihr sportliches Geschick in vielen verschiedenen Aufgaben unter Beweis stellen und noch einmal die gewonnen Eindrücke aus der AG verarbeiten.
Als das Projekt in Schönebeck seinen Lauf nahm, hätte wohl keiner geahnt, dass es solchen Anklang finden würde und bereits jetzt eine Fortsetzung geplant ist (Felix Süssig, 15.07.2015).